Bis ins späte Mittelalter war der Odermennig eine als Wundkraut und bei Leberleiden oft verwendete Pflanze. Auch bei Durchfall, Blasen- und Nierenentzündungen, Ekzemen, Zahnfleischentzündungen und Halsschmerzen half die Gerb- und Bitterstoffhaltige Droge aus getrockneten Blättern und Stängeln. Sie wurde „Heil aller Welt“ genannt, weil jeder sie gebrauchen konnte.
Hildegard von Bingen empfahl Odermennig nicht nur bei Leberleiden. Von ihr stammt der Rat, den Kopf gegen Geistesschwäche mit Odermennig zu waschen. Menschen, die gut bei Stimme sein mussten, gurgelten mit Odermennig-Tee gegen Heiserkeit.
Heute ist Odermennig recht selten geworden und gegen die schon erwähnten Beschwerden sollte man mit Rücksicht auf die Natur häufigere Arten sammeln. Die Pflanzen wachsen gerne auf Magerrasen, die ebenfalls selten geworden sind oder wie hier an Säumen und lichten Gebüschen.
Beim Odermennig lohnt sich ein Blick auf die Früchte, sie haben eine sehr charakteristische Form. Mit ihren vielen kleinen Widerhaken kletten sie sich an Kleidung oder Fell und lassen sich von Menschen und anderen Tieren verbreiten.

