Früher, als es im Winter kein frisches Gemüse gab, war das erste zarte Grün eine hoch willkommene Abwechselung zur eintönigen Winterkost und eine wichtige Vitaminquelle. Heckengemüse nannte man diese Speise, deren Hauptzutaten junge Giersch- und Brennnesselblätter waren. Auch in Wildkräuterquark, Kräuterbutter und Salaten sind die jungen, etwas süßlichen Gierschblätter eine delikate Zutat.
Ausgerechnet Giersch! Die ausbreitungsfreudige Pflanze ist der Erzfeind fast aller Gärtner.
Guckt man genauer hin, wird man feststellen, dass Giersch trotz aller Ausbreitungstendenzen im Garten in der freien Natur keine aggressive Problemart ist. Wie macht Mutter Natur das bloß?
Nun, Giersch ist eine anspruchsvolle Pflanze, die viel (aber nicht zu viel) Wasser und Nährstoffe braucht und ein halbschattiges Wuchsplätzchen bevorzugt. Bevor die Menschen die Landschaft nach ihren Bedürfnissen veränderten wuchs Giersch in lichten Wäldern entlang von Bächen und Flüssen, also an Orten, die diesem Wuchsplatz ähnlich sind. Hier in der Nähe des kleinen temporären Gewässers ist der Boden auch im Sommer feucht und am Wegesrand sammeln sich die Nährstoffe, die mit dem Regenwasser von Hang und Weg abgeschwemmt werden. Aber warum breitet sich der Giersch dann nicht über die ganze Fläche aus? Giersch mag Halbschatten oder auch einen sonnigen Standort, wenn der Boden dort nicht zu stark austrocknet. Im tiefen Schatten des Waldes ist die Art nicht mehr konkurrenzfähig.

