Hier kann man noch einen schönen Blick auf den Magerrasen am Eichenberg werfen. Unter dem Begriff Magerrasen werden alle Grünlandflächen zusammengefasst, die an ertragsarmen, „mageren“ Orten wachsen. Hier wachsen Kräuter und Gräser, die an Nährstoffarmut und Trockenheit angepasst sind. Auf besser nährstoff- und wasserversorgten Flächen würden diese konkurrenzschwachen Arten bald von höherwüchsigen Pflanzen verdrängt.
Die bunt blühende Fläche ist ein Eldorado für wärmeliebende Tierarten. Hier finden Schmetterlinge, Heuschrecken, Käfer, Spinnen und Eidechsen Nahrung und Brutraum – und sie alle mögen es warm.
Magerrasen sind gefährdete Lebensräume. Sie bringen zu wenig Ertrag, um für die moderne Landwirtschaft von Nutzen zu sein. Werden sie nicht mehr beweidet, siedeln sich im Laufe der Jahre Gehölze auf der Fläche an, sie verbuscht. Auch der Magerrasen hier wäre innerhalb weniger Jahre von einem Schlehen- und Brombeergebüsch bedeckt und im Laufe weniger Jahrzehnte wieder zu Wald, würden nicht die Schafe der Biologischen Station Lippe die Fläche regelmäßig abweiden.
Bis ins späte Mittelalter war der Odermennig eine als Wundkraut und bei Leberleiden oft verwendete Pflanze. Auch bei Durchfall, Blasen- und Nierenentzündungen, Ekzemen, Zahnfleischentzündungen und Halsschmerzen half die Gerb- und Bitterstoffhaltige Droge aus getrockneten Blättern und Stängeln. Sie wurde „Heil aller Welt“ genannt, weil jeder sie gebrauchen konnte.
Hildegard von Bingen empfahl Odermennig nicht nur bei Leberleiden. Von ihr stammt der Rat, den Kopf gegen Geistesschwäche mit Odermennig zu waschen. Menschen, die gut bei Stimme sein mussten, gurgelten mit Odermennig-Tee gegen Heiserkeit.
Heute ist Odermennig recht selten geworden und gegen die schon erwähnten Beschwerden sollte man mit Rücksicht auf die Natur häufigere Arten sammeln. Die Pflanzen wachsen gerne auf Magerrasen, die ebenfalls selten geworden sind oder wie hier an Säumen und lichten Gebüschen.
Beim Odermennig lohnt sich ein Blick auf die Früchte, sie haben eine sehr charakteristische Form. Mit ihren vielen kleinen Widerhaken kletten sie sich an Kleidung oder Fell und lassen sich von Menschen und anderen Tieren verbreiten.
Die „Wälder bei Blomberg“ gehören seit 2004/2005 zu einem fast 1170 ha großen Naturschutzgebiet. Es erstreckt sich über die Stadtgebiete von Blomberg, Barntrup, Lügde und Schieder-Schwalenberg und wurde zum großflächigen Schutz von Buchenwäldern, des Rotmilans sowie des Mittelspechts und des Schwarzspechts ausgewiesen.
Die Hauptbaumart dieser Wälder, die Rotbuche, gehört unbedingt dazu, wenn man sich im Blomberger Stadtwald mit dem Thema Essen und Trinken befasst. Zwar kann man Holz nicht essen, trotzdem kann man die Buche als den Brotbaum der Blomberger bezeichnen. Die Stuhlfabrikation aus Buchenholz war ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis nach dem 2. Weltkrieg ein sehr bedeutender Wirtschaftszweig Blombergs. Bernd Hausmann, der 1893 in Blomberg das erste Sperrholzwerk Deutschlands gründete, gilt als der Erfinder der Buchenholz-Sperrholzplatte. Viele Generationen Blomberger Bürger lebten als Handwerker, Wald- oder Fabrikarbeiter von der Buche.
Die Früchte der Buchen, die Bucheckern, wurden früher wie Eicheln zur Schweinmast im Wald genutzt. Die tief beasteten alten Buchen und Eichen hier und im weiteren Verlauf des Weges sind die letzten Zeugen dieser einst sehr verbreiten Waldwirtschaftsform, der Hude.
Auch wenn es gerade nicht blüht ist das Gänsefingerkraut gut an den auf den Blattunterseiten silberig behaarten, gefiederten Blattrosetten zu erkennen. Diese Rosetten bilden oberirdische Ausläufer, mit denen das Gänsefingerkraut ganze Flächen sehr schnell besiedeln kann. Die von ihm bevorzugten Standorte haben nährstoffreiche, lehmige und dichte Böden, sogar Schotterflächen werden besiedelt, wenn sie gut genug mit Nährstoffen versorgt sind.
Die Blüten sind leuchtend gelb für menschliche Augen. Für Insekten sind sie getupft, sie haben im UV-Bereich Saftmale, die den Weg zum Nektar weisen.
Gänsefingerkraut ist eine alte Heilpflanze, die adstringierend (zusammenziehend), stopfend und schmerzstillend wirkt. Es hilft bei Durchfall, bei Bauch- und Unterleibsschmerzen mit Krämpfen, bei Blutungen und Entzündungen des Zahnfleisches.
Wegen seiner Bitterstoffe ist Gänsefingerkraut in der Küche nur als Beimischung zu anderen, mildern Zutaten zu gebrauchen. Ansonsten nicht so aufregenden Gemüse gibt es dann eine interessant-pikante Note.
Ackerkratzdisteln sind an ihren dornenlosen Stängel zu erkennen. Sie vermehren sich sehr ausgiebig durch Wurzelsprosse und können deshalb auf Äckern und Weiden lästig werden.
So unbeliebt Ackerkratzdisteln als Unkraut sind, haben sie doch durchaus ihre guten Seiten. Aus den Blüten mit den grünen Blütenkörbchen kann man einen süß-aromatischen Sirup kochen, eine außergewöhnliche Spezialität für verwöhnte Gaumen. Die zartlila Blüten sind essbar und ein hübscher Farbtupfer in Wildkräutersalaten und Marinaden. Die Wurzeln der Ackerkratzdisteln werden in der traditionellen russischen Naturmedizin bei Erkrankungen der Galle, bei Schmerzen, Husten, zur Wundbehandlung und bei Insektenstichen verwendet.
Schmetterlinge und andere Insekten lieben die blühenden Disteln. An warmen Tagen findet man hier zauberhafte Fotomotive, wenn die Disteln von Bläulingen, Dickkopffaltern, Tagpfauenaugen und vielen anderen Arten umschwärmt werden. Auch dieser Anblick ist ein wunderschöner Wildpflanzen-Genuss, denn „Die Seele nährt sich von dem, was sie freut“.
Nicht nur Bärlauch hat ein wunderbares Knoblauch-Aroma, sondern auch die Knoblauchsrauke. Im Unterschied zum anspruchsvollen Bärlauch wächst die Knoblauchsrauke an fast jedem halbschattigen Wegrand und kann den ganzen Sommer über geerntet werden. Allerdings darf die Knoblauchsrauke nicht erhitzt werden, denn dann verliert sie ihr feines Knoblaucharoma. Als Zutat zu Kräuterquark oder -butter, zu Salaten, Salatsaucen oder Frischkäse sind die jungen Blätter der Pflanze sehr schmackhaft, denn fein gehackt entwickeln sie ihr mildes Knoblaucharoma besonders gut. Auch die Blüten haben ein sehr intensives Aroma und können in der Küche verwendet werden. Später in Jahr kann man die kleinen, recht scharfen Samenkörner als Speisewürze sammeln. Im Mittelalter war die Knoblauchsrauke die Speisewürze der kleinen Leute, die sich den teuren, importierten Pfeffer nicht leisten konnten.
An Scherben von Tontöpfen aus mesolithischen Siedlungen in Holstein und Dänemark hat man Abdrücke von Pflanzenteilen der Knoblauchrauke gefunden. Sie ist damit wohl das älteste bekannte einheimische Gewürz und wurde schon um 4000 v. Chr. verwendet.
In der Volksmedizin wurde das frische Kraut als Heilmittel verwendet: äußerlich bei eiternden Wunden, Insektenstichen und bei Zahnfleischentzündung, innerlich bei Katarrhen der Atemwege.
Die Knoblauchsrauke ist eine wichtige Futterpflanze für die Raupen des wunderschönen Aurorafalters und zweier Kohlweißlingsarten.
Die hübsche kleine Pflanze, die ab Juni bis in den Herbst blüht, sieht man auch oft in Rasenflächen, wo ihre blauvioletten Blüten einen hübschen Farbkontrast zu den gelb-weißen Blütensternen der Gänseblümchen bilden. Die Blattrosetten beider Arten liegen flach am Boden an und werden deshalb von den Messern des Rasenmähers verschont, deshalb kommen sie so oft in Scherrasen vor.
Vor der Blüte kann man die jungen Blätter der Echten Braunelle für Kräutersuppen, -quark und Salat verwenden.
Als Heilpflanze wurde die zierliche Pflanze nach der Signaturlehre verwendet, die in Farben und Formen bestimmter Pflanzen oder Pflanzenteile Hinweise auf ihre Wirksamkeit fand. In der violett-brauen Farbe der Blütenstände sah man als Zeichen ihrer Wirksamkeit bei Krankheiten, die bräunlich-violette Verfärbungen mit sich brachten. So wurde sie gegen die Bräune (= violette Hautveränderungen) und Diphtherie (= Rachenbräune) eingesetzt. Nun enthält die Pflanze tatsächlich medizinisch wirksame Substanzen, darunter Gerbstoffe und ätherische Öle, die bei Halsentzündungen und schlecht heilenden Wunden helfen können. Seit etwas mehr als 20 Jahren ist auch bekannt, dass die Echte Braunelle eine Substanz enthält, die gegen bestimmte Virenstämme wie das Herpes-Virus wirksam ist.
Der Breitwegerich ist für alle Wanderer und Outdoor-Fans überaus nützlich. Bei Insektenstichen, kleinen Schrammen oder müden Füßen wirkt die Auflage eines zerquetschten oder zerkauten Wegerichblatt Wunder. Der Blattbrei wirkt entzündungshemmend und ist auf fast jedem Weg verfügbar.
Das Wissen um die Heilkraft des Wegerichs ist alt und es gehörte einst zur Allgemeinbildung. Hieronymus Bock schrieb in seinem frühneuzeitlichen Bestseller-Kräuterbuch, dass er über den Wegerich nichts schreiben müsste, da jeder aus täglichem Gebrauch darüber Bescheid wüsste. Heute ist dieses Wissen fast verloren und die Heilkraft des Breitwegerichs gehört zu den Geheimtipps für Wanderer.
Bekannter ist da die Heilkraft des Spitz-Wegerichs, den man ebenso verwenden kann. Spitzwegerich-Präparate werden im Winterhalbjahr in jedem Supermarkt angeboten als Mittel gegen Husten und Verschleimung. Eine Spitzwegerich-Tinktur kann man leicht selbst herstellen. Eine Hand voll Spitzwegerichblätter in einem verschließbaren Glasgefäß in 32%igen Alkohol einlegen, etwa sechs Wochen an einem hellen Platz ziehen lassen, abfüllen in eine dunkle Glasflasche – fertig. Diese Tinktur hilft ebenso wie die zerriebenen Blätter von beiden Wegericharten falls mal keine frische Pflanze griffbereit ist.
Junge Spitzwegerichblätter sind fein gehackt in Kräuterbutter, Kräuterquark und Salatsoße zu empfehlen.
Die Gemeine Schafgarbe ist gut an den fein geteilten Blättern zu erkennen, die dichte Rasen bilden können, denn die Pflanzen bilden zahlreiche Ausläufer. Die Blüten stehen in Doldenrispen und sind meist weiß, gelegentlich auch rosa. Wenn eine Pflanzen oder auch Tierart als „gemein“ bezeichnet wird, so heißt das, dass es sich um die weit verbreitete, gewöhnliche Art handelt.
Die jungen Blätter der Schafgarbe enthalten nur wenige Bitterstoffe und sind für Wildgemüse, Salat und als Zutat in Kräuterquark verwendbar. Die älteren Blätter und die Blüten enthalten u.a. den Wirkstoff Chamazulen bzw. Vorstufen davon, der auch in der Echten Kamille vorkommt.. Sie werden frisch als Presssaft oder getrocknet als Aufguss benutzt und wirken entzündungshemmend und krampflösend. Bei Appetitmangel, Verdauungsstörungen, Leber- und Gallenleiden und zu starken Menstruationsblutungen eine gute Wahl. Äußerlich hilft Schafgarbentee blutstillend bei zur Wundbehandlung und bei Hautleiden.
Und sonst: Nun, man getrocknete Schafgarbe und Brennnessel als Amulett mit sich, so kann ist man vor allem Negativen geschützt – schrieb der 1981 verstorbene Amerikaner Scott Cunningham, der als Beruf Pflanzenmagier angab.
Diese riesengroßen Blätter, die man auch an manchen Bächen und an den Rändern feuchter Wiesen sieht, ähneln ein bisschen dem Gartenrhabarber. Sie gehören zur Pestwurz, einer Wildpflanze, deren Name schon verrät, wogegen man sie früher verwendet hat. Um es vorweg zu nehmen, mit Pestwurz kann man die sehr gefährliche Infektionskrankheit nicht heilen. Also alles nur Aberglaube? Nun, seit wenigen Jahren weiß man, dass Pestwurz eine krampflösende und beruhigend wirkende Substanz enthält, die mittlerweile auch in modernen Medikamenten Verwendung findet. Mit der Pestwurz konnte man zwar die Pestkranken nicht heilen, sehr wahrscheinlich konnte man aber die qualvollen Symptome der Infektion etwas lindern.
Pestwurzblätter sind übrigens auch ein gutes Mittel gegen Husten, genau wie die Blätter des Huflattich, mit denen man sie verwechseln könnte.
Pestwurz blüht schon ab Mitte März, lange bevor die Blätter erscheinen. Viele rosa Blüten bilden einen ährenartigen Blütenstand.